KAPITEL 2.2

Städtischer Transport

Besonders in großen Städten spielen die flexible Nutzung sowie die Kombination von verschiedenen Verkehrs- und Transportmitteln eine wichtige Rolle.

Die Zunahme an privaten PKW übt verstärkt Druck auf die Verkehrsinfrastruktur sowie auf den Parkraum aus. Daher rücken alternative Mobilitätsoptionen und Verkehrsmittel zunehmend in den Vordergrund [9]. Auch die urbane Logistik ist ein wesentlicher Einflussfaktor für das innerstädtische Verkehrsaufkommen. Sie übernimmt die Ver- und Entsorgung von Haushalten, Handelsstandorten und lokalen Produktionsstätten. Um Verkehrsinfrastrukturen zukünftig zu entlasten und Lieferprozesse zu optimieren, liegt der Fokus einer zukunftsfähigen Logistik in der Entwicklung von Konzepten für die Steigerung der Effizienz und Umweltverträglichkeit. Hierbei wird dem Einsatz von alter- nativen Antrieben eine besondere Rolle zugeschrieben

Innovation in der Innenstadtlogistik

Die zentrale Bedeutung der Innenstadtlogistik liegt in der Anlieferung und Verteilung von Waren an Geschäfte und Unternehmen sowie der Zustellung von Paketen an Einzelpersonen, um die Versorgung zu gewährleisten. Die Zunahme an Lieferungen durch den E-Commerce und durch die Reduktion von Lagerkapazitäten werden als größte Herausforderung für die Innenstadtlogistik, aber auch für die Verkehrsinfrastrukturen einer Stadt interpretiert [23]. Doch diese Herausforderungen können auch als effektiver Hebel genutzt werden, um Städte lebenswerter zu gestalten und lokale Wirtschaftsentwicklungen zu begünstigen. Das Ziel liegt also nicht darin, eine Reduktion von Innenstadtlogistik zu erzeugen, sondern sie durch neue Ansätze und Technologien zu optimieren.

Ein digital gestütztes Lieferzonenmanagement kann zu einer solchen Optimierung beitragen. Durch sensorbasierte Verkehrsschilder in Kombination mit der Nutzung einer Smartphone-Applikation haben Fahrerinnen und Fahrer von Lieferfahrzeugen die Möglichkeit, die Verfügbarkeit von freien Ladezonen in Echtzeit zu prüfen und diese ggf. zu reservieren. Erprobt wurde diese Technologie im Forschungsprojekt SmartZone. Weitere Möglichkeiten zur nachhaltigen Optimie- rung der Innenstadtlogistik bieten Lastenräder. Um diese effektiv nutzen zu können, sind Plätze notwendig, an denen Sendungen von Lieferfahrzeugen auf Lastenräder umgeschlagen werden können. Die Idee im Forschungsprojekt Park_up war es, öffentliche Parkplätze, insbesondere in Parkhäusern, als temporäre Umschlagsplätze zu nutzen. Auch ein intelligentes Routen- und Auftragsmanagement für Lastenräder, wie es im Projekt SmartRadL entwickelt und erprobt wurde, nimmt sich den Herausforderungen der urbanen Logistik an.

Neue urbane Mobilitätkonzepte

Innenstädte sind attraktiv, wenn sie komfortabel erreichbar sind. Dieser Komfort, der oftmals durch die Priorisierung des motorisierten Individualverkehrs entsteht, mindert allerdings die Aufenthaltsqualität und Begehbarkeit der öffentlichen Räume. In diesem Spannungsfeld prüfen Innenstädte die Entlastung des städtischen Verkehrs durch zukunftsfähige ressourcenschonende und individuelle Mobilitätskonzepte. [9]

Die Herausforderungen dieser urbanen Mobilitätskonzepte stecken in effizienter Flächennutzung. Der Verkehr soll in Zukunft weniger Fläche innerhalb einer Stadt in Anspruch nehmen, und bereits vorhandene Flächen sollen sinnvoll genutzt werden. Zudem müssen alternative Mobilitätskonzepte attraktiv für die Verkehrsteilnehmenden gestaltet werden. Auch bei der Erarbeitung weiterer Rahmenbedingungen für die Vereinfachung der Umsetzung von Mobilitätskonzepten besteht Handlungsbedarf [24].

In diesem Zusammenhang sind digital gestützte Mobilitätsdienste für den Einzelhandel denkbar. Bei diesem Ansatz bieten Einzelhandelsunternehmen und Kommunen für den Einkauf der Kundinnen und Kunden dezentral platzierte E-Lastenräder an, die bequem via App gebucht werden können. Insbesondere für Menschen, die auf Nachhaltigkeit Wert legen, wird somit der Wechsel vom Auto auf das Fahrrad erleichtert. Im Rahmen des Forschungsprojekts likebike wird dieser Ansatz derzeit in Tübingen erprobt. Aber auch in Bereichen wie dem innerstädtischen Parkraumangebot können neue innovative Konzepte eingesetzt werden, die einer effizienten Flächennutzung nachkommen. Die datengestützte Analyse von öffentlichen Parkplätzen ermöglicht beispielsweise eine effizientere Ausnutzung von Parkflächen und eine Alternativ- und Mehrfach- nutzung von Räumen.