KAPITEL 2.4

Identität und Image

Da auch Städte heutzutage in einem Wettbewerb zueinanderstehen, rücken Begriffe wie Image, Identität und Atmosphäre weiter in den Fokus der Kommunen und steigern die Nachfrage nach individuellen Stadtmarketing-Strategien

Das Image und die Identität einer Stadt ist zumeist subjektiv und ergibt sich aus den Vorstellungen, Einstellungen, Gefühlen und Erfahrungen, welche Bevölkerungsgruppen mit der Stadt verbinden [32, 33]. Ebenso zeichnet die Atmosphäre einen Ort und seine Allein- stellungsmerkmale aus – dazu zählen bestimmte Lebensstile, ihre Wahrzeichen und Symbole des Alltags wie beispielsweise besondere Festtage.

Systematische Imageaufwertung durch Stadtmarketing

Stadtmarketing ist die zielgerichtete Gestaltung und Vermarktung einer Stadt und basiert auf der Philosophie der Kundenorientierung. Es soll die Attraktivität der Stadt im Standortwettbewerb erhöhen und für die nachhaltige Sicherung und Steigerung der Lebensqualität sorgen. Beispielhaft hierfür stehen das Verwaltungsmarketing, Standortmarketing, Tourismusmarketing und City-Marketing. Maßnahmen eines Stadtmarketings sind beispielsweise ein eindrucksvoller Imagefilm mit städtebaulichen Highlights und eindrucksvollen Impressionen oder die aktive Miteinbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in stadtplanerische Überlegungen [34]. Eine erfolgreiche Stadtmarketing-Strategie benötigt personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen und ist langfristig angelegt. Einer großen Herausforderung sehen sich daher vor allem Klein- und Mittelstädte ausgesetzt, die häufig über sehr eingeschränkte finanzielle Mittel verfügen. Außerdem besitzen Metropolen und touristisch attraktive Kommunen wie beispielsweise in der Region rund um den Bodensee einen Standortvorteil – ihnen fällt es häufig leichter ihre Stadt zu vermarkten als Kommunen mit weniger touristischen Besonderheiten.

Durch den Einsatz innovativer digitaler Instrumente können aber auch diese Kommunen ihre Attraktivität steigern. Ein digitales Stadt- und Standortmarketing mittels Virtual Reality (VR) und 360-Grad-Anwendungen beispielsweise vermittelt Standortinformationen, die vor Ort nicht ersichtlich sind. Für die Stadt Bernau wurde ein VR-gestützter virtueller Stadtrundgang entwickelt. Mit diesem Instrument können nicht nur Standortinformationen und Informationen zur Historie oder Architektur eines Ortes vermittelt werden, es bietet darüber hinaus auch Einzelhandelsunternehmen und Gastronomiebetrieben die Möglichkeit, sich zu platzieren. Viele Menschen lassen sich einfach und kostengünstig über Social-Media-Plattformen wie Instagram, Twitter oder Facebook erreichen. Dieser Umstand wird bereits von sehr vielen Kommunen genutzt, häufig besteht hier jedoch noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Im Rahmen einer Social-Media-Strategie mit regelmäßigen und interessanten Beiträgen und Aktionen können Städte sich präsentieren und auf direktem Wege kommunizieren sowie Meinungen abfragen. Großstädte in Deutschland sind bereits sehr aktiv und teilen täglich Beiträge auf den entsprechenden Plattformen. Für Klein- und Mittelstädte bietet Social-Media dagegen auch aktuell noch viele Entwicklungsperspektiven.

Neue Konzepte für innerstädtisches Wohnen

In den letzten Jahren ist das Wohnen in Innenstädten in vielerlei Hinsicht attraktiver geworden. Kurze Wege, eine große Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten und eine gute medizinische Versorgung sind große Vorteile des urbanen Lebens. Vor allem junge Menschen ziehen in Städte, da ihnen hier umfangreiche kulturelle Angebote und Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Durch diese Entwicklung steigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Besonders zentrale Wohnlagen sind sehr gefragt. Alle größeren Städte sind von steigenden Immobilienpreisen betroffen und viele Viertel sind dadurch einem Gentrifizierungsprozess unterworfen. Demnach droht vielen Quartieren der Verlust ihrer sozialen Durchmischung. Die einst prägende Bürgerschaft wird durch Aufwertungsprozesse zumindest teilweise ausgetauscht – die Identität und die Atmosphäre eines Viertels könnte sich somit verändern und die Eigenart des Ortes verloren gehen.

Diese Probleme werden aktuell diskutiert, um mögliche Lösungen zu finden. Die Erhöhung des zentralen Wohnraums durch die Erzeugung einer höheren innerstädtischen Dichte ist ein möglicher Lösungsansatz. Beabsichtigt ist die Erhöhung des Wohnflächenanteils durch die Forcierung des Dachgeschossausbaus und die Bebauung oder Umwidmung von Brachflächen sowie stillgelegter Industrieflächen in zentralen Lagen. Das mobile Arbeiten wird zukünftig an Relevanz gewinnen und sich ebenfalls auf die Belebung und Nutzung von Räumen auswirken. In diesem Zusammenhang kann eine Förderung von Baugemeinschaften, welche die Durchführung und Umsetzung eines Wohnprojekts von mehreren Personen auf einem gemeinsam erworbenen Grundstück vorsieht, den beteiligten Personen die Möglichkeit geben, ihr Quartier mitzugestalten. Auch alternative Wohnformen gewinnen an Attraktivität. Das Co-Housing beispielsweise greift die Sharing-Kultur als Wohnkonzept auf, in dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner eines ganzen Häuserblocks Küche, Bad, Autos sowie Außenanlagen teilen. Auf diese Weise werden weniger Räumlichkeiten benötigt, was eine platzsparende Bauweise begünstigen kann.